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U2 News » Bono wendet sich mit Offenem Brief an Schröder


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   Honey

   14.07.2003 um 20:14 Uhr

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In einem öffentlichen Brief, der am Dienstag (15.07.2003) exklusiv in der 'Frankfurter Rundschau' erscheint, wird Bundeskanzler Gerhard Schröder von Bono dazu aufgefordert EU-Gelder für den globalen Aids-Fonds freizugeben. Eine kleine Gruppe von Ländern, darunter Deutschland, blockiere die Bewilligung der Mittel, so schreibt Bono in dem Brief. "Wir sind Zeugen eines Genozids, unsere Unbeweglichkeit macht uns zu Mittätern", heißt es weiter. Bono hatte bereits in einem Interview vom März angedeutet, dass er nach Bush nun auch Jacques Chirac, Tony Blair und Gerhard Schröder "auf die Nerven gehen" würde (News). Update 15.07.2003: Bonos Offener Brief an Gerhard Schröder ist heute sowohl in der Print-Ausgabe als auch in der Online-Ausgabe der 'Frankfurter Rundschau' vorab veröffentlicht worden. Update 16.07.2003: Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat sich gegenüber der FAZ zu Bonos Appell geäußert. Es seien von der EU bereits insgesamt 2,57 Milliarden Dollar für die Aids-Bekämpfung neu zugesagt worden. Sie teilt Bonos Engagement für eine Aufstockung der Mittel, aber er habe, so Wieczorek-Zeul, offenbar die neuesten Zahlen nicht gekannt und wohl übersehen, dass Deutschland jedes Jahr 300 Millionen Euro für die Aids-Bekämpfung bereitstellt. Zum kompletten Artikel: 'FAZ'

"Wir sind Zeugen eines Genozids" U 2-Sänger Bono fordert Kanzler Schröder öffentlich auf, Geld von der EU für den Aids-Fonds bereitzustellen U2-Sänger Bono hat Bundeskanzler Gerhard Schröder einen offenen Brief geschrieben, den die Frankfurter Rundschau vorab exklusiv veröffentlicht. In dem Brief fordert Bono den Kanzler auf, die Unterstützung eines globalen Fonds zum Kampf gegen Aids in Afrika nicht länger zu blockieren. Am Mittwoch soll auf einer internationalen Geber-Konferenz in Paris über den Fonds entschieden werden. Sehr geehrter Bundeskanzler Schröder, ich schreibe Ihnen nicht als Rockstar mit einem Anliegen. Wenn täglich 7000 Afrikaner an Aids sterben, ist das kein Anliegen - es ist ein Notfall. Ich schreibe Ihnen, um an Ihre Führungsstärke zu appellieren. Denn die wird gerade jetzt dringend benötigt - nicht nur von Afrika, sondern auch von der Europäischen Union. Am morgigen Mittwoch wird die EU auf der internationalen Geberkonferenz in Paris die Höhe ihres Beitrags zu dem globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria bekannt geben. Es ist bereits fünf vor zwölf, aber es scheint, dass die EU-Mitgliedstaaten immer noch verwirrt darüber debattieren, was denn überhaupt zu tun sei. Einige EU-Staaten haben die Einrichtung dieses Fonds sogar zu einem "Problem" erklärt, wo er doch tatsächlich eine Lösung anbietet und Leben rettet. Die Sache ist klar. Der globale Fonds benötigt im nächsten Jahr drei Milliarden US-Dollar, um die entscheidenden Hilfsprogramme in den ärmsten Ländern dieser Welt zu unterstützen. Davon muss eine Milliarde aus der EU kommen. Ich habe mit Premierminister Blair persönlich darüber gesprochen, und auch mit Präsident Chirac. Beide haben die EU und die Kommission aufgefordert, der Bewilligung dieser entscheidenden Geldmittel zuzustimmen. Aber eine kleine Gruppe von Ländern, darunter auch Deutschland, blockiert dieses Übereinkommen. Ich und viele andere, die Hilfsaktionen für Afrika unterstützen, haben große Mühe, diese Haltung zu verstehen. Herr Bundeskanzler, Sie haben die Entschuldungskampagne mit vorangebracht, was die Lebensumstände in einigen der ärmsten Länder der Welt bereits dramatisch verändert hat. Auf Grund der Ergebnisse des G-8-Gipfels in Köln 1999 besuchen heute dreimal mehr Kinder in Uganda eine Schule. Ich habe Sie 1999 in Köln getroffen und war beeindruckt von Ihrer Offenheit mir gegenüber und gegenüber der Kampagne, für die ich mich einsetzte. Ich weiß, wie schwierig es damals für Sie war, eine Zustimmung von anderen reichen Ländern für die Entschuldung zu bekommen. Aber Sie haben es geschafft, weil Sie wussten, dass die Last der Schulden einfach zu groß für die ärmsten Länder war. Die Aids-Epidemie und die mit ihr in Verbindung stehenden Krankheiten Tuberkulose und Malaria machen den erreichten Fortschritt für eine Entschuldung und mehr Investitionen zunichte. In den am schlimmsten betroffenen Ländern ist die Lebenserwartung inzwischen auf 30 Jahre gesunken. Die Menschen, die in Afrika an Aids sterben, sind Lehrer, Ärzte, Bauern, Priester, Geschäftsleute und vor allem Eltern. Es gibt dort inzwischen elf Millionen Aids-Waisen. Wenn wir nichts unternehmen, werden es am Ende des Jahrzehnts 25 Millionen sein. Wir sind Zeugen eines Genozids - und ich benutze diesen Ausdruck bestimmt nicht leichtfertig. Unsere Unbeweglichkeit macht uns zu Mittätern. Ganz gleich, ob man es unter moralischen, ökonomischen Gesichtspunkten oder unter dem Aspekt der Sicherheit betrachtet - diese Entwicklung muss gestoppt werden. Wir in den reichen Ländern müssen eine Antwort darauf finden, eine Antwort, die dem Ausmaß dieser Krise angemessen ist. Ein erster Schritt in diese Richtung kann sein, den globalen Fonds voll zu unterstützen. Sie selbst haben das bereits erkannt, indem Sie Ihre ursprüngliche Zusage um 100 Millionen Euro erhöhten - aber das greift erst ab 2005. Ich weiß, jeder weiß, wie angespannt die derzeitige Haushaltslage in Deutschland ist. Aber harte Zeiten erfordern harte Entscheidungen - dies sind die Zeiten, in denen es auf Führungsstärke und Visionen ankommt. Die Frage, worauf sich die EU am Mittwoch einigt oder nicht einigt, hat nämlich auch gravierende Auswirkungen auf das Verhalten anderer Geberländer. Die USA wollen noch abwarten, wie viel Geld Europa in den Topf wirft, bevor sie eine Entscheidung treffen. Präsident Bush hat 200 Millionen US-Dollar pro Jahr für den globalen Fonds versprochen - das Geld ist Teil seines größeren, kühneren Hilfspakets zum Kampf gegen Aids, das 15 Milliarden Dollar für die nächsten fünf Jahre vorsieht. Der Kongress versucht jetzt, die 200 Millionen auf eine Milliarde pro Jahr zu erhöhen. Aber die USA wollen es nur machen, wenn die EU eine Milliarde Dollar beisteuert und der Rest der Welt eine weitere Milliarde. Es steht sehr viel auf dem Spiel. Die EU ist jetzt in der Lage, den Weg vorzugeben. Denn wenn wir jetzt das machen, was man von uns erwartet und was richtig ist, kann Europa Millionen weiterer Dollar von anderen Spendern sichern. Wenn die EU die Erwartungen aber nicht erfüllt, droht die europäische Verpflichtung im Kampf gegen Aids als Nonsens zu verpuffen - zu einem Zeitpunkt, da die europäische Einigkeit mehr denn je benötigt wird. Die Zeit läuft ab. Aids wartet auf niemanden, schon gar nicht auf die EU-Bürokratie. Der HI-Virus wurde erstmals 1983 entdeckt. 20 Jahre später sind 30 Millionen Menschen in Afrika HIV-positiv. Seit zwei Jahrzehnten stehen wir nun da mit unseren Gießkannen, während ein ganzer Kontinent in Flammen aufgeht. Zum jetzigen Zeitpunkt, Herr Bundeskanzler, kommt Ihrer Führungskraft eine lebenswichtige Rolle zu, von Ihnen hängt es ab, ob wir anfangen, diese Feuer zu löschen oder nicht. Bono, with great respect Bono, bürgerlich Paul Hewson, ist Sänger der irischen Rockband U 2. Als prominentester Sprecher der nichtstaatlichen Organisation DATA (Debt Aids, Trade in Africa) setzt er sich für die Entschuldung Afrikas und den Kampf gegen Aids auf dem ärmsten Kontinent der Welt ein. Informationen unter: www.datadata.org Übersetzung: Martin Scholz ©Frankfurter Rundschau



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In dieser News: Bono Hewson Aids

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