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U2 News » Nanci Griffith: "Flyer" - Review


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   04.02.2019 um 16:24 Uhr

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Ab dem Jahr 2019 wollen wir euch in unregelmäßigen Abständen das eine oder andere Seitenprojekt mit U2-Bezug vorstellen. Die vier Herren sind seit ihren Anfängen in den 70ern an einer beachtlichen Anzahl an Alben und Songs beteiligt. Hier den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Was lohnt? Was weniger? Welcher Kurs wird aktuell aufgerufen? So manche Veröffentlichung, die noch vor wenigen Jahren weit im dreistelligen Euro-Bereich erworben werden musste und ein begehrtes Sammlerstück war, kann man mittlerweile sogar recht günstig auf den einschlägigen Portalen kaufen – andere erfuhren dafür eine Wertsteigerung. Im Fokus soll allerdings die enthaltene Musik stehen, denn da gilt es doch recht Interessantes und manchmal auch Obskures zu entdecken. Präsentieren werden wir euch das jeweils in Form einer Rezension anhand der uns vorliegenden Originale. Wer noch weitere Informationen benötigt, sollte sich bei unseren Freunden von U2songs.com und deren umfangreicher Discography umsehen.

Wagen wir mal einen Sprung in die 90er und zu Nanci Griffith. 1994 wurde mit „Flyer“ ein Album mit sehr viel U2 Content veröffentlicht. Das Werk hat sogar das Zeug dazu, eines dieser heimlichen Lieblingsalben zu sein oder - sofern es erst noch Einzug in die Sammlung hält - zu werden. Nanci Griffith ist eine Country- und Folkmusikerin, aber „Flyer“ sollte auch Leuten gefallen, die eigentlich mit dieser Musikrichtung nichts anfangen können. Die klare Produktion dürfte dafür sorgen, dass die Songs auch Hörer mit einer Affinität für Popmusik ansprechen. „Flyer“ wurde übrigens 1995 als das beste Folkalbum für einen Grammy nominiert.

Larry Mullen und Adam Clayton weilten 1994 während einer Tourpause in New York und so ergab sich die Zusammenarbeit mit Nanci Griffith für „Flyer“. Der Legende nach, lernte Larry die gute Nanci Backstage nach einem ihrer Konzerte kennen, als er in ihrer Umkleide saß. Ihr Road Manager hatte Larry reingelassen, nur hatte die Dame dann überhaupt keine Ahnung, wen sie dort antraf. Ein Bier bot sie ihm trotzdem an und Larry konnte sich vorstellen. Nanci Griffith erzählte später in einem Interview, dass sich Mr. Mullen als richtiger Fanboy entpuppte.

Larry ist an vier Tracks beteiligt und Adam hat sein Bassspiel bei drei Songs zur Verfügung gestellt. Kurioserweise ist bei „These Days In An Open Book“ mit Michael Rhodes noch ein zweiter Bassist dabei. Die Nummer, die wundervoll instrumentiert und arrangiert wurde, ist ein Paradebeispiel für das gesamte Album. Dobro und Mandoline sorgen für eine Atmosphäre, die auch alle Puristen und Hüter des heiligen (Roots) Grals abholt, aufgrund der Klarheit in der Produktion und des sehr eingängigen Refrains aber auch all jene anspricht, die eigentlich musikalisch komplett woanders ihre Heimat haben. „Don´t Forget About Me“ wurde zudem von Larry geremixt. Dieser Rexmix landete dann auch auf dem Album. Wer genau hinhört, wird ein sehr charakteristisches Gitarrenspiel heraushören. Mark Knopfler hat neben Adam und Larry seine Künste ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Das eindringliche Stück „On Grafton Street“ – ebenfalls als von Larry angefertigter Remix auf dem Album vertreten – hat übrigens noch The Chieftains als Gäste zu bieten. Da darf man sich schon mal über die eigene Gänsehaut freuen, die sich beim Hören des Songs ausbreitet. Das schmissige „This Heart“ muss ohne Adam auskommen, dafür spielt Larry Bongos und Percussion. Abermals handelt es sich dabei um einen von Larry angefertigten Remix. Übrigens steht bei der Nummer unter den Credits: Larry „lastword“ Mullen Jnr.! Den Zusatz zwischen den „“ kann ja jetzt jeder interpretieren, wie er möchte.
 

Unter den fünfzehn Songs ist keine schlechte Nummer zu finden! Man kann das Album immer wieder in einem Rutsch hören. Die Gäste sind dabei das Salz in der Suppe. „Time Of Inconvenience“ und das schwelgerische „Always Will“ wurden beispielsweise von Peter Buck in Athens produziert. Und ja, es handelt sich um Herrn Buck von R.E.M.! Der „Blue Moon Womens Choir“, der Nanci Griffith kongenial bei „Fragile“ unterstützt, setzt sich aus Lee Satterfield, Holly Tashian, Pam Rose und Emmylou Harris zusammen. Traumhaft. Adam Duritz von den Counting Crows ist gleich bei mehreren Songs als Sänger dabei. Bei „Nobody´s Angel“ singt er noch etwas im Hintergrund verborgen die Harmonien, während er bei dem tollen „Going Back To Georgia“ als Duettpartner fungiert. Das Stück hat er zudem mitgeschrieben und das hört man auch.

Man könnte im Grunde jeden Song hervorheben. Überall passiert etwas Tolles. Die Arrangements sind zum Niederknien, die vielfältige musikalische Umsetzung ein Traum und in den Gesang von Nanci Griffith verliebt man sich auf der Stelle. Die Ballade „Southbound Train“ dürfte schon für so manches Tränchen im Knopfloch gesorgt haben. Die melancholische und feinfühlige Note von „Talk To Me While I´m Listening“ ist mitreißend und die Ausarbeitung von „Goodnight To A Mother´s Dream“ ein Gedicht. Die klare Produktion und der Mix tragen dazu bei, dass auf dem Album jede noch so feine musikalische Nuance zu hören ist. Der Klang ist mitunter herausragend. Die Songs sind zudem erstaunlich gut gealtert und für das Genre gar als zeitlos zu betrachten.

„Flyer“ von Nanci Griffith zählt sicher nicht zu den großen Wertanlagen einer U2-Sammlung. Das eigentliche Album kann relativ günstig erworben werden. Auch die begleitenden Promo-Veröffentlichungen können zu einem geringen Kurs – meint in diesem Fall unter 10 Euro – auf den einschlägigen Portalen gekauft werden. Besonderes Augenmerk sollte hier auf die Promo-VÖs „This Heart“ (Edit) und „Flyer“ (alternative Versionen) gelegt werden. Meiner Meinung nach darf das Album gerne – unabhängig von U2 – in jede Musiksammlung aufgenommen werden. Ich staunte seinerzeit übrigens nicht schlecht, als ich das Booklet durchblätterte und die beiden Namen zweier Mitglieder meiner Lieblingsband entdeckte. Das Album hatte ich mir nämlich gekauft, da mich der Vorgänger schon so berührt hatte – von Larry und Adam als Gäste wusste ich zum Kaufzeitpunkt noch gar nichts. Es war damals eben noch eine Welt ohne Internet und eine Flut an Informationen – es gab noch echte (Informations-)Überraschungen in der Musikwelt!



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